Tag 2 · ca. 105 Minuten
Drei Handwerke: kleine Schritte machen · jeden Schritt abnehmen · die Session bewusst führen.
Kleine Schritte statt großer Würfe
Was der Agent selbst prüfen kann — und was nicht
Wo der Mensch zwingend hingehört
Permissions bewusst statt reflexhaft
Lange Läufe und wiederkehrende Prüfungen
Das Herzstück des Moduls
--continue, --resume, /compact, /clear
Token-Budget und Kostenwirkung
Ein realistischer Arbeitstag
Nicht „Auftrag rein, Feature raus". Sondern eine Schleife, die der Mensch schließt — und zwar nach jedem einzelnen Durchlauf.
Ist das überhaupt die richtige Aufgabe? Der teuerste Fehler ist der perfekt umgesetzte falsche Plan.
Der Agent nimmt einen Weg, den ihr nicht wolltet. Sofort stoppen — nicht „mal schauen, wo er rauskommt".
Commit, Push, Deploy, Migration, Datenlöschung. Alles, was außerhalb eures Rechners Folgen hat.
„Tests sind grün, passt."
Die Zusammenfassung des Agenten lesen statt den Diff.
400 geänderte Zeilen durchscrollen und nicken.
Jede geänderte Datei einmal angesehen — warum ist sie geändert?
Jede Datei, die euch überrascht, ist ein Fund.
Änderungen, die nicht zur Aufgabe gehören, gehören raus.
Bevor der Agent ein Werkzeug benutzt, entscheidet eine Regel: erlaubt, nachfragen oder verboten.
Läuft ohne Rückfrage. Für alles Harmlose und Häufige: lesen, suchen, Tests laufen lassen.
Der Standardfall. Der Agent hält an und fragt — das ist die Voreinstellung für Unbekanntes.
Wird gar nicht erst angeboten. Für alles, was ihr nie bestätigen wollt.
/permissions und claude --help gegenprüfen.
Verifiziert gegen Claude Code 2.1.216: /permissions
(„Manage allow and deny tool permission rules"),
--allowedTools, --disallowedTools.
— geprüft am 2026-07-21
Minute 1–5: jede Rückfrage wird gelesen.
Minute 5–20: überflogen.
Ab Minute 20: Enter, Enter, Enter.
Die Rückfrage, auf die es ankam, war Nummer 47.
Die Zahl der Rückfragen so weit senken, dass jede einzelne wieder Aufmerksamkeit verdient.
Das Harmlose freigeben, das Gefährliche verbieten — nicht abfragen.
Ausschnitt aus einem produktiv genutzten Projekt (cgsit-finance)
{
"permissions": {
"allow": [ "Read(**)", "Write(**)", "Bash(**)" ],
"deny": [
"Bash(rm -rf /)",
"Bash(git push --force *)",
"Bash(git reset --hard*)",
"Bash(git clean -fd*)",
"Bash(docker compose down -v*)",
"Bash(*DROP TABLE*)",
"Bash(aws rds delete-db-instance*)",
"Bash(aws s3 rm*--recursive*)",
"Bash(*pastebin*)", "Bash(*transfer.sh*)"
]
}
}
„Push & Deploy Policy" aus CLAUDE.md desselben Projekts
| Aktion | Regelung |
|---|---|
| Lokale Builds, Tests, Commits | autonom, keine Rückfrage |
| CI-Status abfragen, Logs lesen, Backups ziehen | autonom, nur ankündigen |
git push origin main | autonom, wenn Commits fertig sind |
git push --no-verify (Hook übergehen) | vorher fragen |
| Deploy auf Produktion | immer fragen |
git push --force, alles Destruktive | immer fragen |
Der Agent hört auf zu arbeiten und schreibt „Done".
Das ist eine Aussage des Modells über sich selbst.
Ein objektives Kriterium ist erfüllt: Test grün, Build durch, Endpoint antwortet, Diff gelesen.
Das ist eine Aussage der Welt über den Code.
Modul 1: Der Weg ist nicht-deterministisch — also darf nur das Ergebnis das Abnahmekriterium sein, nie der Weg dorthin.
Der stärkste Kandidat — und der einzige, der beim nächsten Mal automatisch wieder prüft.
Kompiliert, verlinkt, gepackt. Fängt halluzinierte APIs sofort ab.
curl gegen die gestartete Anwendung: erwarteter Status, erwartete Antwort.
Schwächer, aber legitim — und für Doku oder Konfiguration oft das einzig Mögliche.
„grep auf das alte Symbol liefert null Treffer" — perfekt für Aufräumarbeiten.
„Sieht gut aus." — „Der Agent sagt, es funktioniert." — „Keine Fehlermeldung."
Große Migration, Testsuite nachrüsten, Abhängigkeiten heben. Läuft lange, produziert viel.
Regeln: in Etappen mit eigenem Abnahmekriterium zerlegen · Zwischenstand ins Repo schreiben, nicht in die Session · laute Ausgaben (Test-Logs, Builds) in einen Subagenten auslagern.
Immer gleich, immer wieder: Security-Review vor dem Release, Doku-Abgleich, Abhängigkeits-Check.
Regeln: nicht jedes Mal neu formulieren — als Command oder Skill ins Repo legen (Modul 8) und, wo möglich, in die CI hängen (Modul 9).
--background, /tasks, /schedule,
/loops, verifiziert gegen 2.1.216). Verhalten, Namen und
Verfügbarkeit dieser Funktionen ändern sich schnell — vor dem Kurs live
prüfen und nur zeigen, was auf dem Kursrechner tatsächlich läuft.
— geprüft am 2026-07-21
Aus Modul 1: Sessions wachsen nur. Systemprompt,
CLAUDE.md, jede gelesene Datei, jede Testausgabe —
alles bleibt drin und wird bei jedem weiteren Schritt mitgeschickt.
/context („Show current context
usage" bzw. als farbiges Raster) und /usage (Aliase
/cost, /stats: „Show session cost, plan usage, and
activity stats"). Grenzwerte und Anzeige ändern sich mit der Version.
— geprüft am 2026-07-21
| Werkzeug | Was passiert | Wofür |
|---|---|---|
/clear | Neue Session mit leerem Kontext; die alte bleibt gespeichert | Themenwechsel. Der billigste und meistvergessene Befehl. |
/compact | Der Verlauf wird durch eine Zusammenfassung ersetzt | Gleiches Thema, aber Kontext voll. Kompromiss, kein Reset. |
claude --continue | Die letzte Unterhaltung in diesem Verzeichnis läuft weiter | Terminal geschlossen, Arbeit geht weiter. |
claude --resume | Auswahl einer früheren Unterhaltung (Picker oder Session-ID) | Zurück zu einer bestimmten Aufgabe von gestern. |
/compact ist verlustbehaftet: Aus dem Verlauf wird
generierter Text. Was in der Zusammenfassung nicht vorkommt, ist weg —
und niemand sagt euch, was gefehlt hat.
/clear („Start a
new session with empty context; previous session stays on disk, resumable with
/resume"), /compact („Free up context by summarizing
the conversation so far"), -c, --continue,
-r, --resume [id|Suchbegriff]. Ebenfalls vorhanden, aber nicht auf
der Hauptfolie: /resume als Slash-Befehl (Alias
/continue), --fork-session (beim Fortsetzen eine neue
Session-ID vergeben), /rewind (Aliase /checkpoint,
/undo), /autocompact (Schwelle fürs automatische
Zusammenfassen) sowie ein automatisches Compact bei vollem Fenster.
— geprüft am 2026-07-21
/clear. Immer. Der alte Kontext hilft nicht, er kostet nur und lenkt ab./compact./clear, frisch starten. Besser als ein zweites /compact.--continue für „genau da weiter", --resume für „welche von den fünfen war das nochmal"./compact hintereinander ist ein Warnsignal: Ihr komprimiert eine Zusammenfassung einer Zusammenfassung./compact: extrahieren/compact stand in
der Zusammenfassung: „Diverse Verbesserungen besprochen."
Lehre: Was nur im Verlauf lebt, überlebt die Kompaktierung nicht.
Es muss vorher in eine Datei.
| Was in der Session entstanden ist | Wohin es gehört |
|---|---|
| Projektweite Regel, Policy, Workflow | CLAUDE.md |
| Konvention für einen bestimmten Bereich | Rules-Datei im Projekt |
| Architektur-Entscheidung mit Begründung | docs/<thema>.md bzw. RFC |
| Stand der laufenden Aufgabe | Handoff-Datei (nächste Folie) |
| Nichts davon — nur Rauschen | darf verschwinden |
Vorbild: docs/compaction-checklist.md aus einem produktiven Projekt.
Ein Handoff ist das, was ihr einem Kollegen hinlegen würdet, der die Aufgabe morgen ohne euch zu Ende bringt. Genau das ist die nächste Session auch.
Weil bei jedem Schritt die gesamte Historie neu geschickt wird (Modul 1), lohnt sich ein Trick: Ein stabiler Anfang muss nicht jedes Mal neu verarbeitet werden, sondern wird wiederverwendet.
Der Anfang der Session bleibt gleich: Systemprompt,
CLAUDE.md, dieselben Werkzeuge.
Neues kommt hinten dazu.
Wirkung: spürbar billiger und schneller.
Mitten in der Arbeit an CLAUDE.md schrauben,
MCP-Server dazuschalten, das Modell wechseln.
Alles, was den Anfang verändert, entwertet die Wiederverwendung dahinter.
CLAUDE.md und Regeln greifen. Erste Frage: Was ist der Stand?/clear. Nicht „ich mach im selben Fenster noch schnell was anderes".CLAUDE.md oder docs/, offener Stand in den Handoff, Commits gepusht./compact oder /clear — und alles Wichtige liegt im Repo, nicht im Verlauf.Beginnt in seminar-api eine Aufgabe mit klarem Abnahmekriterium
— zum Beispiel: Stornieren einer bereits stornierten Buchung liefert
HTTP 409 mit einer verständlichen Meldung, abgesichert durch einen Test.
Arbeitet bis etwa zur Hälfte.
Dann: HANDOFF.md schreiben lassen → /clear →
in der frischen Session nur mit dem Handoff weiterarbeiten.
Keine Nacherzählung aus dem Kopf.
Dauer ca. 30 Minuten · Einzel- oder Paararbeit
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cgsit-claude-training · Modul 4 · v0.1.0