Modul 5

Agentic Software Development:
Der End-to-End-Phasen-Workflow

Tag 2 · ca. 150 Minuten · Kernmodul

Inhalt

Lernziel Modul 5

Der Teilnehmer kann den kompletten Phasen-Workflow von Analyse bis Deploy mit Gates und Artefakten aufsetzen und durchführen.

  1. Phase — jederzeit sagen können, wo im Ablauf die Arbeit gerade steht.
  2. Artefakt — jede Phase hinterlässt ein Dokument, das ein Mensch lesen und beurteilen kann.
  3. Gate — zwischen zwei Phasen entscheidet jemand oder etwas, ob es weitergeht.
„Aufsetzen und durchführen" ist ein Handlungsziel — am Ende des Moduls läuft die Kette einmal vollständig.

Warum überhaupt Phasen und Gates?

Rückgriff auf Modul 1

  1. Nicht-deterministisch — zweimal dieselbe Aufgabe heißt zweimal ein anderer Weg. Der Weg ist nicht wiederholbar, also nicht prüfbar.
  2. Stateless — zwischen zwei Sessions bleibt nichts. Was nur im Chat stand, existiert morgen nicht mehr.
  3. Agent-Schleife — der Agent handelt selbstständig weiter. Ein Irrtum in Runde 2 wird in Runde 7 zur ausgebauten Fehlarchitektur.
Man kann dem Weg nicht trauen und sich auf das Gedächtnis nicht verlassen — verlässlich ist nur, was als Datei liegen bleibt.

Die Antwort: Zwischenstände verankern

Wenn der Weg nicht reproduzierbar ist, muss man die Zwischenstände festhalten — und zwar so, dass ein Mensch sie in Minuten beurteilen kann.

Ein langer Lauf

Prompt rein, 40 Minuten Agent, 60 geänderte Dateien raus.

Prüfbar erst am Ende — und dann nur noch als Ganzes.

Fehler aus Minute 3 sind in Minute 40 einbetoniert.

Eine Kette von Phasen

Jede Phase endet mit einem lesbaren Artefakt.

Jedes Artefakt hat ein Gate: freigegeben oder nicht.

Der Fehler aus Minute 3 wird in Minute 4 gefunden.

Der Phasen-Workflow ist kein Prozess-Fetisch.
Er ist die einzige bekannte Antwort auf „der Weg ist nicht überprüfbar".

Artefakt oder Alibi?

Aus Modul 4 kennt ihr die Regel „was nur im Verlauf lebt, ist weg".
Als Phasen-Artefakt reicht das nicht: eine Datei im Repo ist noch kein Gate. Vier Prüffragen — und zu jeder das Alibi, das in der Praxis dafür durchgeht.

  1. Liegt es im Diff? — sonst ist es keine Wahrheit, sondern eine Erinnerung.
  2. Ist es in wenigen Minuten lesbar? — Alibi: der 400-Zeilen-Plan. Er hat einen Dateinamen, liegt im Repo — und wird nie geprüft.
  3. Steht ein Ja-Nein-Kriterium drin? — Alibi: „sieht gut aus". Das erzeugt eine Diskussion, kein Gate.
  4. Trägt es seinen Nachweis? — Alibi: der abgehakte Punkt ohne die Testausgabe darunter.
Ein Artefakt, das niemand liest, hat kein Gate — es hat das Gefühl eines Gates.
Gegenmittel steht im Prompt: „max. eine Bildschirmseite".

Was ein Gate ist

In Modul 4 wart ihr an drei Stellen Torwächter.
Ein Gate ist dieselbe Stelle, nur aufgeschrieben — und die entscheidende Nachricht ist: meistens steht ihr dort gar nicht selbst.

Mechanisch — der Normalfall

Test, Build, Lint, Hook. Kein Urteilsvermögen, dafür gratis, unbestechlich und nie müde. Hier gehört die Mehrzahl hin.

Agent — wo Urteil nötig ist

Ein Review-Subagent mit sauberem Kontext gegen feste Kriterien. Skaliert, ermüdet nicht — irrt aber wie jedes Modell.

Mensch — die Ausnahme HUMAN

Pflicht genau dort, wo die Entscheidung nicht rückholbar ist. Jedes weitere Mensch-Gate kostet Aufmerksamkeit, die anderswo fehlt.

Je irreversibler der nächste Schritt, desto menschlicher das Gate — und umgekehrt: Wer den Menschen überall hinstellt, erzeugt die Approval Fatigue aus Modul 4 auf Prozessebene.

Wie ein Gate verdrahtet wird

Ein Gate ist kein Vorsatz, sondern drei Bauteile — und sie sind bewusst getrennt: Der Skill führt den Ablauf, der Subagent fällt das Urteil, der Hook prüft den Nachweis.

  1. Skill — der Ablauf. Er ruft den Reviewer, trägt dessen Urteil ein, testet, baut. Und er hält an: bricht der Test, wird nicht committet; bricht der Build, wird nichts kopiert.
  2. Subagent — das Urteil. Prüft gegen docs/architecture.md. Sein tools:-Eintrag lässt nur Lesen zu — er kann nichts ändern. Und er hat euren Verlauf nicht.
  3. Hook — der Nachweis. Behauptet ein Dokument einen Status, ohne die Review-Notiz mit Datum zu tragen, meldet er das zurück.
/rfc review 001
beauftragt den Subagenten,
übernimmt sein Urteil wörtlich
   architecture-reviewer
tools: Read, Grep, Glob

/ship 001
mvn -q test rot: kein Commit
Abgleich gegen den RFC

/deploy
mvn clean package rot: kein release/

rfc-gate.py (PostToolUse)
Status ohne Nachweis exit 2
Ein Skill ist eine Bitte — das Modell kann ihm folgen.
Ein Test, ein Build oder ein Hook ist eine Garantie.
Wer ein Gate nur in einen Skill schreibt, hat es beschrieben, nicht gebaut.
checked am 2026-07-29 gegen cgsit-finance und ctrain-seminar-app

Der Kern-Workflow

Die Kette

Fünf Phasen, und zwischen je zweien ein Gate.
Von neun Stationen steht der Mensch an genau einer.

Analyse
Problem-Statement
Research-Notiz
Analyse-Review
Planung
Spec / RFC mit
Implementation-Checklist
Design-Freigabe
Umsetzung
Code + Tests
im Diff
Code-Review
Test
grüner Lauf — nicht
seine Behauptung
CI grün
Deploy-Gate
der Mensch
Deploy
laufende Version
+ aktualisierte Doku
PhaseArtefakt auf der Platte Gate · Maschine oder Agent Gate · Mensch
Probe für jede Phase: Kann ich benennen, was am Ende auf der Platte liegt? Wenn nicht, ist es keine Phase — es ist eine Hoffnung.

Das 2D-Modell — der eigentliche Bauplan

Zwei Dimensionen, nicht eine

Ein Task läuft waagrecht durch die Zeit.
Die Wahrheiten, an die er sich hält, stehen — über allen Tasks.

Der Task · beginnt, läuft durch, endet · vergänglich
Analyse
Design
Implement
Test
Deploy
Run
Die Baselines · existieren vor und nach jedem Task · dauerhaft
Requirements · was gebaut werden soll
Architektur & Domain-Modelle
Code-Konventionen (Rules)
Test-Strategie & Testdaten
Release-Safety & Betrieb
Phase · KetteBaseline · Stapel
Ein Task respektiert die Baselines und schreibt sie als Delta fort — er erfindet sie nicht neu.

Am Kreuz sitzt das Gate

Dasselbe Raster, jetzt gefüllt: jede Phase kreuzt genau eine Baseline.

Baselines
Analyse
Design
Implement
Test
Deploy
Run
Requirements
Problem Statement Analyse-Review
Architektur & Domain
Proposed Design Design-Gate
Code-Konventionen
Code Self-Review
Test-Strategie
Tests Test-Layer-Check
Release- & Prod-Safety
Deploy Deploy-Gate
Betrieb
Prod-Zustand Closeout
PhaseBaselineDelta + Gate
Die Diagonale ist die ganze Aussage: kein Kreuz doppelt, keine Baseline übersprungen. Wer eine Phase ohne ihre Baseline fährt, hat kein Artefakt und nichts zu prüfen.
checked am 2026-07-21 gegen cgsit-finance

Ehrlichkeit als Teil des Modells

„Der volle 4-Schicht-Stack ist unsere eigene Synthese — von keinem der beiden Frameworks als Standard belegt (bewusste Design-Wette, kein Industrie-Standard)." — RFC-223, Abschnitt „Benchmark-Verdikt 2D", 2026-07-01

Extern belegt ist nur ein Teil: die Trennung Truth/Delta (OpenSpec trennt specs/ von changes/) und die horizontale Pipeline (QRSPI). Die geschichtete Vertikale über alle fünf Ebenen ist eine eigene Wette.

Projektwahl & Plan Mode

Projektwahl für den ersten Durchlauf

Gut geeignet für den ersten Durchlauf

Ein Projekt mit lauffähigem Build und Tests — das mechanische Gate muss existieren.

Überschaubarer Umfang, damit der Agent das System erfassen kann.

Ein echtes, kleines Feature mit klarem Abnahmekriterium.

Ein Bereich, in dem ihr das Urteil habt — ihr sitzt an den Gates.

Schlecht für den ersten Durchlauf

Kein Test, kein Build — dann gibt es nichts, was objektiv grün wird.

Der kritischste Produktionsdienst — falscher Ort zum Üben.

Ein Feature, dessen Fachlichkeit noch verhandelt wird.

„Alles auf einmal migrieren" — kein Gate ist je erreichbar.

Der erste Durchlauf soll den Workflow beweisen, nicht das Projekt retten.
Kleines Feature, vollständige Kette.

Plan Mode

Claude Code kennt einen Modus, in dem der Agent recherchiert und plant, aber nichts schreibt — am Ende steht ein Plan, den man annimmt oder ablehnt.

1Planen lassen — der Agent liest, sucht, versteht. Keine Datei wird verändert.
GATE Plan REVIEWEN — nicht überfliegen. Lesen, korrigieren, ablehnen.
2Dann erst Code — und zwar gegen den freigegebenen Plan, nicht gegen die ursprüngliche Idee.
Der Plan ist der billigste Ort zum Eingreifen.
Ein falscher Satz im Plan kostet 20 Sekunden.
Derselbe Fehler in 30 Dateien kostet einen Tag.
checked am 2026-07-21 gegen Doku

Wie man einen Plan wirklich reviewt

Sechs Fragen an jeden Plan — der Plan wird geprüft wie ein Pull Request (PR), nicht gelesen wie ein Aufsatz.

  1. Löst der Plan das richtige Problem? Nicht: ist er gut geschrieben. Plausible Prosa ist gratis.
  2. Nennt er konkrete Dateien? Ein Plan ohne Pfade ist ein Aufsatz, kein Plan.
  3. Passt er zur bestehenden Architektur? Oder baut er stillschweigend eine zweite daneben?
  4. Steht drin, wie man es prüft? Welcher Test, welcher Endpunkt, welche Ausgabe — vor dem Code, nicht danach.
  5. Ist er zerlegt? Phasen, die einzeln lauffähig sind — oder ein Block „dann bau ich das halt".
  6. Was fehlt? Die teuersten Planfehler sind Auslassungen, keine falschen Sätze.

Wo der Kontext geschnitten wird

Plan Mode ist die Recherchephase vor einem Gate, nicht das Gate selbst.
Und jede Phasengrenze, an der ein Artefakt entsteht, ist zugleich ein verlustfreier Schnitt.

  1. Recherchieren — Problem und Umfeld verstehen. Im Plan Mode, damit nichts geschrieben wird, solange der Scope wackelt.
  2. Grob planen und festhalten — Plan-Modus verlassen (Schreiben ist ein Edit), Problem Statement und grobes Design in die Spec.
  3. Jetzt schneiden: der Zustand steht im Artefakt, nicht mehr nur im Verlauf — /clear kostet nichts. Dieselbe Logik steckt in jedem Workflow-Framework (Modul 6).
  4. Fein-Design — wieder Plan Mode, Einstieg ist die Spec. Ergebnis: Schritte und Abnahme.
  5. Schneiden, dann bauen — Schritt für Schritt. Wird es innerhalb lang: /compact, nicht /clear.
Recherche Plan Mode — nur lesen
   |
Spec schreiben Plan-Modus aus ARTEFAKT
   | /clear verlustfrei
Fein-Design Plan Mode ARTEFAKT
   | /clear
Bauen Schritt 1 … n
   | /compact nur innerhalb

# /clear an Artefakt-Grenzen,
# /compact innerhalb einer Phase
Falle: Die Plan-Freigabe bietet „Ja, jetzt editieren" an — damit überspringt man die eigenen Gates.
Ein Werkzeug-Gate ist noch kein Prozess-Gate.
checked am 2026-07-26 gegen code.claude.com/docs/permission-modes

Spec-driven Development

Die Spec ist die Wahrheit

Spec-driven Development heißt: nicht der Code ist die maßgebliche Beschreibung des Systems, sondern eine gepflegte Spezifikation — und jede Änderung ist ein Delta dagegen.

Truth (steht)

Requirements-Doku, Architektur-Doku, Domain-Modelle mit ihren Invarianten.

Wird nur durch abgeschlossene Deltas fortgeschrieben.

Delta (vergeht)

Der einzelne RFC / die einzelne Spec für dieses eine Vorhaben.

Sagt explizit: was kommt neu, was ändert sich, was fällt weg.

Nach dem Deploy wird das Delta zurück in die Truth gemerged.
Passiert das nicht, driftet die Doku — und der Agent baut ab morgen gegen eine Lüge.

Das Herzstück jeder Spec: die Done-Definition

Modul 4 gab euch das Abnahmekriterium für eine Iteration — die Done-Definition ist dasselbe für das ganze Vorhaben, und sie sieht je nach Typ völlig anders aus.

Typ Done-Definition Beweis
Feature„User kann X tun"E2E-Test, der X verifiziert
Refactor„Bug-Typ Y ist strukturell unmöglich"Test, der Y aktiv ausschließt
Migration„Alter Zustand weg, neuer zu 100 % abgedeckt"Query, die es beweist
Cleanup„Symbol existiert nicht mehr"grep zeigt 0 Treffer
Wer die Done-Definition nicht ausformulieren kann, hat kein Planungsproblem — er hat ein Verständnisproblem.
Der Code wird es nicht lösen.
checked am 2026-07-21 gegen cgsit-finance

Das Design-Gate — „Brain Surgery Moment"

Ein Haken in der Spec: „Design freigegeben — ab hier ist Code erlaubt." Vorher: null Zeilen Code.

An dem Punkt, an dem das Design fertig und noch kein Code geschrieben ist, ist eine Korrektur fast gratis.
Jede Minute später wird sie teurer.
2026-05-26 — RFC-184 (cgsit-finance) Ein Architektur-Refactor wurde geplant, dann in „MVP + Cleanup follow-up" zerlegt und nur zur Hälfte umgesetzt. Vier Tage später erzeugte genau diese Halb-Architektur den Privacy-Bug, den der RFC hätte verhindern sollen. Das war kein Code-Bug — das war ein Planungs-Prozess-Bug. Konsequenz: das Design-Gate ist seither Pflicht bei Refactor, Migration und allem, was Privacy, Geld oder Mandantengrenzen berührt.

Brainstorming, Planning & Alignment

Drei Gespräche, nicht eins

Das Modell ist darauf optimiert, hilfreich zu wirken — es liefert lieber sofort eine Lösung als eine ehrliche Optionsliste.
Wer alle drei Gespräche in einen Prompt packt, bekommt nur das dritte: die Optionen wurden nie erwogen.

Brainstorming

Divergent: Optionen und Annahmen, ohne festgelegte Lösung.
Kippt zu: „Ich habe da schon mal etwas gebaut."

Planning

Konvergent: eine Option, zerlegt, mit Prüfkriterien. Ergebnis ist ein Artefakt.
Kippt zu: Plan ohne Dateipfade.

Alignment

Bestätigend: „Habe ich dich richtig verstanden?"
Kippt zu: gar nicht — es fühlt sich überflüssig an.

Brainstorming erzwingen — Lösung verbieten Give me three options with trade-offs and the assumption each one rests on. Do not decide, do not write code, do not recommend one.

Alignment als Pflicht-Schleife

Eine Spec hat eine formale Abnahme, eine spontane Zuruf-Aufgabe hat keine — also ersetzt eine kurze Bestätigungsschleife die fehlende Abnahme.

1Verstanden: ein bis zwei Zeilen, was der Agent aus der Eingabe gelesen hat.
2Plan: was konkret geändert wird — Dateien, Verhalten, betroffene Ansichten.
HUMAN Auf OK warten — außer der Mensch sagt ausdrücklich „mach einfach".
2026-06-09 — cgsit-finance Mehrere Änderungsrunden an einer Ansicht liefen ohne diese Schleife. Ergebnis: eine doppelte Box und ein Zugriffs-Bug fielen erst nach dem Deploy auf. Seither ist der Understanding-Loop für alle Nicht-Spec-Eingaben Pflicht, die zu Commit oder Deploy führen. Ausgenommen: Tippfehler und Einzeiler — sonst wird jede Kleinigkeit zum Projekt.

Auto Research & Context-Isolation

Verstehen, bevor man löst

Auto Research & Context-Isolation

Vor dem Design ein eigener Research-Schritt — in einem Subagenten mit sauberem Kontext, dessen Auftrag bewusst keine Lösungsrichtung enthält.

Research-Auftrag — ohne Lösungs-FramingUnderstand subsystem X. List facts, constraints, invariants and options. Do NOT propose a solution. Cite file:line for every claim.
Gegen „completion bleed": Liegt das Ticket im Kontext, baut der Agent die naheliegende Lösung, bevor er das System verstanden hat.
Der teure Denkfehler passiert dann vor dem Design — nicht als halb gebaute Lösung.
checked am 2026-07-21 gegen cgsit-finance

Bauen: Slicing, Atomic PRs, Parallelität

Vertical Slicing

Vertikal statt schichtweise schneiden kennt ihr aus der agilen Praxis.
Neu ist der Preis: Ein Agent baut eine horizontale Schicht in einer Stunde fertig — die falsche Annahme aus Schicht 1 fällt erst in Schicht 3 auf.
Tempo macht schlechte Zerlegung teurer, nicht billiger.

Horizontal — Schicht für Schicht

Monatelang nichts abzunehmen: kein Gate ist erreichbar.

Der Integrationsfehler zeigt sich ganz am Schluss — dann aber in allen Schichten gleichzeitig.

Vertikal — dünne Scheibe

Ein Anwendungsfall durch alle Schichten: Endpunkt, Service, Persistenz, Test.

Jede Scheibe hat ihr eigenes Gate — der Integrationsfehler zeigt sich in Scheibe 1.

Prüffrage für jede Scheibe: „Ist dieses Paket für sich allein deploybar und umkehrbar?" Wenn nein — mit dem nächsten zusammenlegen, nicht einzeln ausliefern.

Refactoring & Atomic PRs

Bei Features ist Aufteilen gut — jede Scheibe liefert Nutzen; bei Refactorings ist Aufteilen gefährlich.

Typ Wert ist… Aufteilen in mehrere Deploys?
Featureneue sichtbare Funktionja — jede Phase liefert für sich Nutzen
Refactoreine strukturelle Eigenschaftnein — atomarer Deploy Pflicht
MigrationDaten-/API-Wandelnur mit Rollback-Plan und dokumentierten Zwischenzuständen
Cleanuptoter Code, Doku, Testsja, trivial
Regel aus RFC-184 — cgsit-finance, CLAUDE.md §3 „Bei Architektur-Refactors ist die Halb-Architektur strikt schlechter als die alte komplette Architektur — sie hat alle Risiken beider Welten gleichzeitig." Belegt: Backend-Schicht getrennt, Frontend nicht getrennt der Bug-Typ bestand in der Vermittlungsschicht weiter. Verboten sind seither: „Backend zuerst, Frontend später", „MVP jetzt, Cleanup als Folge-Ticket", „Phase 1 deployt, Phase 2 anderes Ticket". Wenn die Zeit nicht reicht: Umfang kürzen, nicht halb umsetzen.

Parallel Agent Development

Parallelität verspricht Faktor 4 und liefert selten Faktor 2.
Der Grund ist nicht die Technik: Vier Agenten produzieren vier Artefakte, die eine Person abnehmen muss.
Der Engpass wandert vom Bauen zum Beurteilen.

Parallelisiert gut

Lesende Arbeit — Recherche, Analyse, Review: getrennte Kontexte, kein Konflikt.

Getrennte Arbeitsbäume für wirklich disjunkte Features.

Parallelisiert schlecht

Zwei Agenten in einem Arbeitsbaum — sie überschreiben sich.

Gemeinsame Schnittstelle — beide ändern denselben Vertrag, keiner weiß es.

2026-07-01 — cgsit-finance Parallele Container-Builds ließen die Entwicklungsmaschine regelmäßig in den Speicher laufen. Statt einer Konvention wurde ein Hook eingebaut, der einen zweiten gleichzeitigen Build hart blockiert. Wo Parallelität nachweislich schadet, hilft keine Regel im Dokument — nur eine Sperre, die der Agent nicht umgehen kann.

Wege zur Parallelität

Sie unterscheiden sich in einer Frage: müssen die Arbeiter miteinander reden?

W1
W2
W3
Git-Worktrees
Niemand redet. Ihr koordiniert.
Getrennte Features, volle Kontrolle. Kosten gering.
Lead
S1
S2
S3
Subagenten
Melden nur nach oben.
Fokussierte Zuarbeit, bei der nur das Ergebnis zählt. Kosten gering.
Lead
A
B
C
Agent Teams experimentell
Schreiben einander, geteilte Aufgabenliste.
Recherche, Review, konkurrierende Hypothesen. Kosten deutlich höher.
ArbeiterLead reden miteinander
  1. Standardmäßig aus: Agent Teams brauchen CLAUDE_CODE_EXPERIMENTAL_AGENT_TEAMS=1. Der Lead spawnt auf eure Ansage, nie von selbst.
  2. Die stärksten Fälle sind Denk-, nicht Bauaufgaben: drei Reviewer mit verschiedenen Brillen, oder fünf Hypothesen, die sich gegenseitig widerlegen sollen.
Für sequenzielle Arbeit, gleiche Dateien oder viele Abhängigkeiten ist eine Session besser.
Zwei Mitglieder in derselben Datei überschreiben sich.
checked am 2026-07-26 gegen code.claude.com/docs/agent-teams

Agentic SDLC vs. Agentic Programs

Zwei Dinge, ein Wort

Agentic SDLC vs. Agentic Programs

Agentic SDLC

Der Entwicklungsprozess ist agentisch: Agenten analysieren, planen, bauen, testen und reviewen — entlang von Phasen und Gates.

Das Produkt ist ganz normale Software.

Gates schützen das Repository.

Darum geht es in diesem Kurs.

Agentic Programs

Das Produkt selbst enthält Agenten: es plant, ruft Werkzeuge auf und handelt zur Laufzeit beim Anwender.

Der Entwicklungsprozess kann dabei klassisch sein.

Gates schützen den Anwender in Produktion.

Eigene Disziplin — nicht Gegenstand dieses Kurses.

Beides heißt „agentic" und wird ständig verwechselt.
Wer die Begriffe mischt, diskutiert im Team aneinander vorbei — besonders wenn es um Sicherheit und Haftung geht.
checked am 2026-07-21 gegen Doku

Der Beleg: ein real gelebter Workflow

Der CGS-Workflow — verdichtet

1Plan / Clarify — bei unklarem Umfang zuerst nachfragen. (Sub-Schritt 1b: Understanding-Loop bei Zuruf-Aufgaben)
2Spec oder Ticket? — Entscheidungstabelle: neues Feature/Architektur RFC, kleiner Fix Ticket.
2a · GATE Analyse-Review (Draft Accepted): richtiges Problem? Done-Definition prüfbar? Test-Strategie vorgesehen?
3Spec / Konzept — Architektur- und Domain-Dokumente zuerst lesen, dann das Fach-Dokument fortschreiben.
3a · GATE Design-Freigabe + Design-Review0 Code davor. Haken nicht gesetzt das Werkzeug warnt.
4–5Implementieren + lokal verifizieren — Code und Tests zusammen, Test-Ebene nach Entscheidungsmatrix.
6Checkliste nachziehen (6a: Doku-Pflichten gegen die geänderten Pfade prüfen — gleicher Commit; 6b: Migrations-Sicherheitscheck)
7b · GATE Self-Review (Pflicht) — feste Checkliste; in sensiblen Bereichen zusätzlich ein Review-Subagent vor dem Commit.
8–11Commit Push CI — Push autonom, CI ist das mechanische Gate. Wartezeit für den lokalen Rauchtest nutzen.
13 · HUMAN Vor dem Deploy immer fragen — Datenbank-Backup davor, wenn Migrationen dabei sind.
14Deploy + verifizieren (14a: Betriebsbereitschafts-Check — Alarme, Metriken, Fehlermuster, Betriebsdoku)
15a · GATE Closeout-Review — Done-Definition erfüllt? Bug-Typ strukturell unmöglich? Spec fortgeschrieben? Bei Nein: Status bleibt offen.
checked am 2026-07-21 gegen cgsit-finance

Wann der volle Ablauf zu viel ist

Die ehrliche Kehrseite: nicht jede Änderung verdient die volle Kette.

Voller Ablauf

Mehrere Module betroffen, neue Architektur, Migration, Refactoring.

Sensible Bereiche: Geld, Rechte, personenbezogene Daten, Mandantengrenzen.

Etwas, das ihr in sechs Monaten noch verstehen müsst.

Abgekürzt

Ein bis zwei Dateien, klarer Umfang, keine Wirkung über das Modul hinaus: Ticket, machen, ausliefern.

Tippfehler, Beschriftung, Formatierung.

Die Disziplin besteht darin, zu merken, wann man die Grenze überschreitet — nicht darin, jeden Tippfehler zum Projekt zu machen.

Ein Prozess, den alle umgehen, ist schlechter als ein kleinerer, den alle einhalten.
Die Zeremonie-Falle ist ein eigenes Thema in Modul 6.

Modul 5 in fünf Sätzen

  1. Weil der Weg nicht prüfbar ist, verankert man Zwischenstände als reviewbare Artefakte.
  2. Jede Phase hat genau ein Artefakt und genau ein Gate — sonst ist sie keine Phase.
  3. Der Task läuft horizontal, die Wahrheiten stehen vertikal; am Kreuz liegt das Delta.
  4. Der Plan ist der billigste Ort zum Eingreifen — die halb gebaute Architektur der teuerste.
  5. Jede Regel braucht einen datierten Auslöser. Regeln ohne Vorfall werden nicht befolgt.
Wer nur eine Sache mitnimmt: Nenne für jede Phase das Artefakt, das am Ende auf der Platte liegt. Alles andere folgt daraus.

Übung 5 — Ein Feature durch alle Phasen

Aufgabe

Baut am Beispielprojekt seminar-api (Quarkus — Seminare und Buchungen) ein Feature im vollen Phasen-Workflow. Vorschlag: „Eine Buchung kann storniert werden; ein storniertes Seminar gibt seinen Platz wieder frei."

Pflicht — ein Artefakt pro Phase, jede Phase mit Gate:
  • Analyse analysis.md — Problem, Fakten mit file:line, offene Fragen. Gate: richtiges Problem?
  • Planung spec.md mit Done-Definition und Phasen P1…Pn. Gate: Design freigegeben — ab hier Code.
  • Umsetzung Diff einer vertikalen Scheibe (Endpunkt Service Persistenz). Gate: Self-Review, Diff gelesen.
  • Test Ausgabe von mvn test. Gate: grün, nicht behauptet-grün.
  • Deploy-Ersatz Commit auf einem Branch. Gate: Mensch gibt frei.
  • Closeout spec.md fortgeschrieben. Gate: Done-Definition wirklich erfüllt?
Verifizierbares Ergebnis: Sechs Artefakte liegen im Repo — eins pro Phase — und mvn test ist grün. Jedes Gate ist im jeweiligen Artefakt sichtbar abgehakt, mit Datum.

Dauer ca. 45 Minuten · Zweierteams — einer prompted, einer sitzt an den Gates · nach der Hälfte tauschen

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cgsit-claude-training · Modul 5 · v0.11.5